Amalie Thalheimer

Das ist im Lageplan der Stolperstein [11]

Amalie Thalheimer geb. Rindsberg wurde am 29.12.1862 in dem fränkischen Uehlfeld (bei Erlangen) geboren. Ihr Vater hieß David Rindsberg und war Metzger in Uehlfeld, ihre Mutter hieß Hanna, geb. Oettinger. Amalie heiratete 1883 in Neumarkt/Bayern Samuel Thalheimer, der von Beruf Handelsmann war. Ihre Schwester, Rosa Ledermann, war bereits in Öhringen verheiratet. Amalie Thalheimer zog 1904 mit Ihrem Ehemann, dem Handelsmann Samuel Thalheimer und 6 Kindern von Affaltrach nach Öhringen. Dort wohnte sie nach dem Tod ihres Mannes zusammen mit der Familie ihres Sohnes August Thalheimer im Haus Poststraße 24. Die vier Thalheimer-Söhne August, Berthold, Arthur und Julius gründeten in Öhringen berufliche Existenzen.

Amalie hatte sieben Kinder. Insgesamt hat sie neun Mitglieder ihrer Familie, Kinder, Schwiegerkinder, Enkel während des Holocaust verloren und ist selbst auch ermordet worden.

Der inzwischen verstorbene Enkelsohn Walter hat ein bewegendes Interview gegeben, das 1995 für das United States Holocaust Museum aufgenommen wurde. Darin erzählt er von seiner Großmutter:
Amalie war eine clevere Frau: Im Frühjahr 1933 hörte sie Gerüchte, dass jüdische Häuser am Sabbat durchsucht werden sollten. Sie wusste, dass einer ihrer Söhne einen Revolver besaß. Mit einer Milchkanne schlenderte sie zu dem Haus ihres Sohnes. Sie erzählte dort was sie gehört hatte und mit dem Revolver in der Milchkanne ging sie wieder nach Hause. Unauffällig – alte Frau mit Milchkanne – aber wirksam, die Waffe war aus dem Haus! Stunden danach erschienen die Braunhemden aus Heilbronn und haben tatsächlich die Häuser der Juden durchsucht und die Männer festgenommen. Durch diese List ersparte Amalie ihrem Sohn mit Sicherheit weitere Misshandlungen.

Ab September 1939 lebte sie im Altersheim Herrlingen, ab Juli 1942 in Oberstotzingen. Im August 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie im Alter von 81 Jahren starb.Hier ist die Todesfallanzeige von Amalie aus Theresienstadt. Es ist verwunderlich, dass der Todeszeitpunkt so genau angegeben wird. Es fällt aber auf, dass 5:30 Uhr bei ganz vielen Todesfällen genannt wird. Frühmorgens ist sozusagen beim Stubendurchgang festgestellt worden, wer tot ist und auf der Anzeige wurde quasi der Auffindezeitpunkt notiert.

Quelle: https://www.holocaust.cz/de/main-3/

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