Familie Levi

Im Lageplan sind das die Stolpersteine [29/30/31/32]

Hugo, Irma und ihr Sohn Justin Levi lebten im Haus Karlsvorstadt 37. Im Juli 1934 kam Sara Levi dazu, die im Alter von 74 Jahren zu ihrem ältesten Sohn Hugo gezogen ist. Hugo Levi hatte mit seinem Schwager Louis Kahn die Viehhandlung Kahn & Levi gegründet, die auch Stallungen in Neuenstein hatte. Er nahm am 1. Weltkrieg teil, wurde aber schon im ersten Kriegsjahr verschüttet und verwundet. Stets trug er stolz ein „Bändle“ am Revers, das auf seine Kriegsauszeichnung hinwies. Bei seinen Geschäftspartnern war Hugo Levi nicht nur beliebt, sondern war auch mit einigen Bauern regelrecht befreundet, wobei sich diese Freundschaften auch in schweren Zeiten bewähren sollten. Als die den Juden zugeteilten Nahrungsmittel immer weiter gekürzt wurden, spendete Gustav Schüle aus Neuenstein der Familie Levi an Backtagen stets ein frisches Brot, ein Landwirt aus Cappel gab die Butter dazu. Schüle bekannte sich auch öffentlich zu seiner Verbundenheit mit einem Juden, als er der Familie Levi mit Wagen und Pferdegespann beim Zwangsumzug 1939 in das „Judenhaus“ Westheimer in der Bahnhofstraße half. Dabei wurde Schüle von einigen Öhringer Bürgern beschimpft, bespuckt und mit einem Holzscheit geschlagen. Von Gustav Schüle hat sich dann auch Hugo Levi auf dem Öhringer Bahnhof Ende November 1941 persönlich verabschiedet, wohl wissend, dass dies ein Abschied für immer ist. Hugo Levi und seine Frau Irma (geb. Kocherthaler) gehören zu den vielen württembergischen Juden, die in Riga im Außenlager „Jungfernhof“ ermordet wurden.
Der 1921 geborene Sohn Justin besuchte ab 1931 das Progymnasium. Mit knapp 15 Jahren schickten ihn seine Eltern nach Montbeliard bei Belfort, wo er Schüler im College Cuvier war. Später zog er nach Paris und lebte bei seinem Onkel Alfred Levi und seiner Frau Thea, geb. Meinstein. Im Jahr 1940 wurde er wie andere in Frankreich lebende Ausländer in ein Arbeitslager in Saint-Priest-Taurion gezwungen. Zusammen mit anderen deutschen und österreichischen Juden musste er Holzfällerarbeit leisten.
Obwohl er in der nicht von den Deutschen besetzten Zone lebte, wurde er von Frankreich an die Deutschen ausgeliefert und kam ins Sammellager Dracy, wo die Zugtransporte nach Auschwitz zusammengestellt wurden.

Der 24. Transport aus Drancy vom 26.8.1942 war einer der Transporte, der zum ersten Mal in Cosel (Blechhammer) selektiert worden ist, 65 Arbeitsfähige wurden aussortiert und ins Arbeitslager Blechhammer gebracht. Die zweite „Selektion“ fand in Birkenau statt – alle 937 wurden direkt vergast.
Als nach dem Krieg Justins Tante Thea nach ihm suchen ließ, berichtete das Minstére des Anciens bombattantes et victimes de Guerre in Paris am 1. Okt 1965, dass Justin die Häftlingsnummer 177934 erhalten hatte.

Erstaunlich, dass das französische Ministerium 1965 darüber Bescheid wusste, welche Nummer Justin in Blechhammer erhalten hatte…….
Die Nummern 176512 bis 179567, darunter Justins 177934, wurden an Häftlinge ausgegeben, die im Zwangsarbeitslager für Juden in Blechhammer eingesetzt wurden. Am 1.4.1944 wurde dieses Lager durch das KL Auschwitz übernommen und die dort arbeitende Häftlinge erhielten oben erwähnte Nummern. Sobald sie nicht mehr arbeitsfähig waren, wurden sie nach Birkenau gebracht.
Justin hat also Anfang April 1944 noch gelebt. Danach aber verliert sich seine Spur.

Hugo Levis Mutter Sara (geb. Kocherthaler) konnte nicht bei ihrem Sohn in Öhringen bleiben.
1938 zog sie nach Stuttgart. 1941 wurde sie in das Israelitische Altersheim Herrlingen bei Ulm und danach in das jüdische Zwangsaltersheim Oberstotzingen verlegt. Im Alter von 82 Jahren wurde sie am 22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Nur zehn Tage später starb sie an Auszehrung und Entkräftung.

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