Max Kocherthaler

Reelle Bedienung

Der Öhringer Schuhmacher Friedrich Kircher besaß am Schillerplatz ein kleines Schuhgeschäft und arbeitete viel für Juden, die orthopädische Schuhe trugen. Tochter Elfriede brachte die fertigen Schuhe zu Schlessingers oder Thalheimers und bekam immer ein schönes Trinkgeld. Fünfzig Pfennig waren anfangs der dreißiger Jahre viel.

Die geschäftlichen Beziehungen zu jüdischen Familien führten dazu, daß Friedrich Kircher das Haus des Max Kocherthaler in der Unteren Torstraße 11 zum Kauf angeboten wurde, wo Max Kocherthaler sein Textilgeschäft hatte und auch die Familie Leopold Stern wohnte. Friedrich Kircher war aber erst 1937 in der Lage, das Haus zu erwerben und dort sein Schuhgeschäft einzurichten. Obwohl das Haus durch Kriegseinwirkung erheblich beschädigt worden war, mussten nach dem Kriege zum damaligen Kaufpreis von 22 000 Mark noch 5 000 Mark nachbezahlt werden.

Das Geschäft von Max Kocherthaler in der Unteren Torstraße. Links oben im Fenster ist Max, im rechten Fenster ist links Jakobine Kocherthaler.
Das Haus steht heute nicht mehr, siehe Animation weiter unten.

Der verwitwete Max Kocherthaler wollte 1933 so schnell wie möglich auswandern und sein Anwesen verkaufen. Nach den Unterlagen des Einwohnermeldeamtes wanderte er, 70 Jahre alt, schon im August 1933 nach Straßburg ab, wahrscheinlich zu seinen dort lebenden Söhnen Julius und Arnold.

Max Kocherthaler in Straßburg

Nach Öhringen war Max Kocherthaler aus Ernsbach schon vor der Jahrhundertwende gekommen und bereits 1895 dem Männerturnverein beigetreten.
Max war zuerst mit Hannchen Kleemann verheiratet. Drei Monate nach Geburt ihrer Tochter Grete ist Hannchen 1899 mit 32 Jahren an Thyphus gestorben. Hannchen ist in Affaltrach beerdigt, da es den Öhringer jüdischen Friedhof noch nicht gab.
Max heiratet in zweiter Ehe Jakobine Schulherr. Jakobine wurde 45 Jahren alt, sie starb 1919 an Kehlkopftuberkulose. Jakobine liegt auf dem Öhringer Friedhof.

Öhringer Familienbuch, die Kinder von Max Kocherthaler.

Der älteste Sohn Siegfried zog 1919 nach Berlin, die beiden jüngsten 1922 und 1926 nach Kehl. Tochter Selma heiratete Louis Kahn aus der Karlsvorstadt, der sich mit seiner Familie durch Flucht nach Luxemburg und Frankreich retten konnte. Gretl Kocherthaler wohnte ab 1933 mit ihrem aus Heilbronn stammenden Mann in Berlin. Sie wurde von Margarete Haas-Herz 1940 im französischen Lager Gurs gesehen, konnte aber in die USA entkommen, wo sie 1984 starb. Nach dem Krieg war sie zu Besuch in Öhringen und auch in ihrem Elternhaus bei der Familie Kircher-Wagner.

Jakobine Kocherthaler mit ihren Söhnen Arnold (links) und Julius (später Jules)

Julius Kocherthaler (Jules) war der erste in der Familie, der 1940 nach New York ausreiste.
Biographische Anmerkung: Nach ihrer Auswanderung in die Vereinigten Staaten änderten
Julius und seine Frau Margot Kochertaler ihre Namen zu Jules und Margot Cortell.
Jules Cortell, in Öhringen geboren, begann seine Karriere als Speditionskaufmann bei der Cunard Line in Paris. 1922 gründete er sein eigenes Reisebüro in Paris. 1947 kaufte er Atlantic-Pacific Travel in New York, was zur Basis der Cortell Group von acht Reiseunternehmen wurde.

Die Kinder von Max Kocherthaler konnten sich alle in die USA retten:
Arnold mit Frau und Kind Janine und Schwester Greta fuhren im Juli 1941 mit dem Schiff „Nyassa“ zum Bruder Jules nach New York.
Siegfried = Fred mit Ehefrau Cilly fuhren im Dezember 1941 mit dem Schiff Guiné nach New York. Auf dem gleichen Schiff waren die Schwester Selma Kahn, geb Kocherthaler mit Ehemann Louis Kahn und den Kindern Rolf und Annelies.
Sie alle kamen bei Jules in New York unter.

Untere Torstraße heute und 1923. Rechts das Geschäft von Max Kocherthaler.

Im Beitragsbild ganz oben sieht man Grete Kocherthaler, die zweite von links.